Reichspost Verstärkeramt Lobenstein
Am Neuen Berg- Alte Bayerische Straße
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1. Allgemeines

Das Verstärkeramt Lobenstein, auch bekannt als "Postbau" der Reichspost war lange Zeit ein Tabuthema, wohl geschuldet den Wirren des Krieges und dem Neuaufbau. Später war davon nichts mehr zu sehen - und wie heißt es: "Aus dem Auge..."
Dank der Veröffentlichung der Ortschronik vom Wolfgang Börner
"Lobenstein in den Jahren 1945 bis 1949" im Jahr 2011 ist das Verstärkeramt Lobenstein öfters erwähnt und somit als Geschichte Lobensteins erwähnenswert. Als Autor dieser Page lag es mir schon lange nahe, auch seit meiner Kindheit in unmittelbarer Nähe wohnend, über das Verstärkeramt Lobenstein zu recherchieren.

Wolfgang Börner meint, es sei zu Bombenangriffen auf Lobenstein nicht gekommen, wenn man nicht einen Reihenwurf von etwa sieben Bomben dazu zählen will, der hinter dem Schwimmbad im Koseltal (Siebenberge) erfolgte und vielleicht dem Verstärkeramt der Reichspost am Neuen Berge gelten sollte.

Die Bombentrichter waren noch lange (1960er Jahre) an der sog. Idiotenwiese vorhanden, bis auf dem Feld zur besseren landwirtschaftlichen Nutzung diese zugeschüttet wurden. (Sicher war hier die Angst, auf Blindgänger zu stoßen, besonders groß.) Im Wald gibt es immer noch Trichter oberhalb der Wiese.
Es lag an der Lage des Verstärkeramtes am Osthang, die Bomber kamen aus dem Westen. Somit war das Amt erst sehr spät oder gar nicht von den Flugzeugen zu orten und bis Kriegende sowie darüber hinaus unversehrt. Soweit erst einmal der Bezug zur Ortschronik von Wolfgang Börner.
2. Der Beginn des neuen Verstärkeramtes Lobenstein
Lobenstein hatte bereits eine Orts- und Fern-Telefonvermittlungsstelle im Postgebäude in der Poststraße an historischer Stelle. So war auch da das "Fräulein vom Amt". Hier wurden Orts- und Ferngespräche bis in die 50er Jahre handvermittelt.

Bei Ferngesprächen mussten circa alle 75 km die Signale auf den Fernleitungen verstärkt werden. In den Kabeln entstehen Verluste, je länger ein Kabel ist, desto größer werden die Verluste.
Es entstand dabei ein technischer und wirtschaftlicher Kompromiss:

dickere Leitungen (mehr Kupfer, höhere Kosten)
geringere Verluste, weniger Verstärker
dünne Leitung (wenig Kupfer, kleinere Kosten
größere Verluste, mehr Verstärkter

Diese Aufgabe wurde durch ein Verstärkeramt gelöst. Im Reichsgebiet soll es an die 215 Verstärkerämter gegeben haben.

Der Verstärkerabstand in den Leitungen wurde auf 75 km festgelegt, was einen guten Kompromiss darstellte. In der Anfangszeit wurde nur Relais- und dann Röhrenverstärker verwendet, in späterer Zeit (nach 1945) wurden diese durch kleinere und wartungsärmere Transistorverstärker ersetzt.
Dieser alte Begriff (Verstärkeramt) stammt aus der Zeit, als das öffentliche Telefonnetz noch unter staatlicher (amtlicher) Verwaltung stand.

Aufgrund der zunehmenden Aufgaben des Telefondienstes als Staatsaufgabe (Reichspostministerium) war seit 1937 durch einen Befehl des Postministers und zum Zwecke der Kriegsvorbereitung als logistische und strategische Notwendigkeit der Bau von neuen Verstärkerämtern angeordnet.
Dabei wurde schon seit 1937 der Bau aus Gründen der zunehmenden Luftgefährdung und aus Gründen der schnellen Luftsicherung unterirdisch und außerhalb der Stadtzentren geplant.
(Siehe die Niederschrift und Auflage des RPM (Reichspostministerium) rechts:)

Als Tarnung wurde oben drauf ein wohnhausähnliches Gebäude errichtet. Dies übernahm übrigens die Bunkerindustrie auch nach dem Kriege in beiden deutschen Staaten, siehe die Bunkerbauten der NVA und der Staatsführung der DDR.

So wurde vermutlich 1938/39 (siehe Foto oben) das Verstärkeramt Lobenstein an der Alten Bayerischen Straße (Alte Neundorfer Straße) zum besseren Informationsfluß der Telefonie und der Telegrafie im Reichsgebiet, nach Nürnberg oder München sowie nach Italien und Frankreich als Fernvermittlungsamt außerhalb des Zentrums von Lobenstein gebaut.
Es lag an der Strecke des Fernkabels FK 241 Gera-Lobenstein und weiter nach Kronach-Coburg.

Dazu wurde ein Achitekturbüro aus Lobenstein mit der Planung betraut oder beteiligt. Das heißt auch, daß ein Typbau an die Gegebenheiten vor Ort (Bodenschräge usw.) angepasst wurde. Es wäre dienlich, etwaige Unterlagen oder Pläne hier zu veröffentlichen. Dazu bitte ich und wäre sehr dankbar, mich zu informieren.

Leider sind bis dahin Angaben zum Standort und Ausdehnung reine Spekulation.
Foto: privat -Es zeigt das Verstärkeramt Lobenstein entlang der Alten Bayerischen Straße Richtung Stadtzentrum, dahinter ist der Kirchturm zu erkennen, ebenso der Kirchberg. Das Gebäude war bloß Tarnung, es gab unterirdisch ein oder mehrere Geschosse. Über die Anzahl gibts es keine Hinweise. Allerdings gab es Bauzeichnungen davon in Lobenstein (allerdings war es vermutlich unter Strafe gestellt, dies zu veröffentlichen).
Das Bild zeigt das Amt im Bau im Winter 1937/38 oder 1938/1939, weil links ein Flaschenzuggestell zum Einbau von schweren Teilen über dem Materialschacht für die Lasten zum Bunker stand. Rechts einige Garagen oder Bauhütten an der Straße. Es gibt Überlegungen, ob der Überbau u.a. zur Unterbringung der Bewacher -Soldaten der Luftwaffe- gedacht war. In ähnlicher Form gab es Am Neuem Berg ein 2-geschossiges Wohnhaus für die Post-Bediensteten.
Was war ein Verstärkeramt?

Das Verstärkeramt bei Wikipedia, allerdings wird hier das Amt nur als posttechnisches Instrument behandelt.
Am 16. Oktober 1933 nahm die Deutsche Reichspost den ersten amtlichen Fernschreibverkehr auf.
(Zur Geschichte der Telefonie)
In der Niederschrift einer Besprechung vom 12. März 1937 im RPM (Reichspostministerium) heisst es u.a.:

„zu 1.) gab MinDir Höpfner im Auftrage des RPM bekannt, daß die DRP (Deutsche Reichspost) bereit sei, künftig die Kosten der aus Gründen der Luftgefährdung zu verlegenden alten VerstÄmter zu übernehmen.
Die DRP will damit die unter den früheren Systemregierungen (!) begangenen Fehler, derart wichtige Anlagen ohne Rücksicht auf die Notwendigkeiten der Luftsicherung zu erstellen, nach und nach beseitigen."

In einem von Ohnesorge unterzeichneten umfangreichen Schreiben mit dem Betreff "Sicherung der Verstärkerämter" heisst es am 29. Mai 1937 u.a.:

„(…)
Es wird daher folgendes bestimmt:
1. Die technischen Einrichtungen (außerhalb der Städtezentren) neu zu bauender Verstärkerämter, also sämtliche Fernsprech- und Rundfunkverstärkereinrichtungen, sowie die Einrichtungen der Unterlagerungs- und Wechselstromtelegraphie, sind in unterirdischen Räumen unterzubringen.
(…)"
3. Der Betrieb des Verstärkeramtes Lobenstein
Über den täglichen Betrieb des Verstärkeramtes gibt es derzeit noch keine verlässlichen Angaben.

Es wurden in dem rechteckigen Bunker Postbedienstete, Techniker und eventuell Bewacher beschäftigt, dies sicher mit Auslösung des Krieges 1939.

Hier kommt die strategische Notwendigkeit von Befehlstelefonie ins Spiel. Die Verbindung lag an der Achse Berlin - München - Rom. Während nach dem Bau der neuen Verstärkerämter im Reichsgebiet schnelle Verbindungen möglich waren, gab es mit zunehmenden Kriegshandlungen Schwierigkeiten mit Befehlsübermittlungen, später waren provisorische Verbindungen und Schäden der Anlagen durch Bombenangriffe alltäglich. Die technische Entwicklung war inzwischen so gut, daß ein Mitglied der Nachrichtentruppe der Wehrmacht einmal schreibt, es sei nun möglich, von Kasan (Russland) nach Frankreich zu telefonieren.

Es war üblich, den Strom für den Dienst vom Netz zu entnehmen, aus Blei-Batterien zu holen (manche Verstärkerämter hatten -zig Tonnen von Batteriesäure in Betrieb) oder mit sog. Netzersatzanlagen (NEA-Notstromaggregate) selbst zu erzeugen. Diese waren üblicherweise im tiefsten Geschoß angeordnet, schon wegen dem Lärm.

Die von mir gesehenen Bruchstücke des Bunkers hatten umfangreiche großflächige weiße Verfließungen. Dies deutet auf die Batterieabteilung hin, allerdings gab es sicher auch gefließte Toiletten oder andere sauberzuhaltende Betriebsräume.

Der Bunker hatte sicher auch üblicherweise zwei Haupteingänge (einen Materialaufzug und einen Personeneingang, beide gesprengt), sowie mehrere Lüftungs- und Notausgänge. Diese sind heute noch teilwiese erhalten. Auf dem Foto oben sind mehrere Schornsteine auf dem "Wohnhaus" zu entdecken. Diese dienten sicher der Be- und Entlüftung des Bunkers, da keine weiteren Erdlüftungen für den normalen Betrieb erkennlich oder bekannt waren.

Der gesprengte Bunker ist heute zwischen zwei Eigenheimen angeordnet, die Notausgänge oder Abwasserschächte sind umbaut oder verrottet. Die Fläche des Bunkers ist heute privat genutzt und öffentlich nicht begehbar.

Der Betrieb wurde mit Beendigung des Krieges nicht eingestellt, da erst die Amerikaner und später die Russen diese nutzten oder die Verbindungen kontrollierten. In Wolfgang Börners Chronik wird auf die Weiterbetreibung des Amtes auch nach dem Abzug der Amerikaner am 30.Juni 1945 mit vier bis fünf Mann verwiesen. Dies zeigt die strategische Bedeutung des Verstärkeramtes Lobenstein.
4. Bunkertechnische Details
Foto privat von 1956/57- Im Hintergrund das heute noch stehende Wohnhaus der Postbediensteten Am Neuem Berg, hinter dem Straßenbaum das dem Erdboden gleichgemachte und verschüttete Verstärkeramt
Lobensteins Bürger waren schon immer sehr erfinderisch, so wurden nach der Verwüstung der Lobensteiner Burg Baumaterial zum Häuserbau an der Ruine Alter Turm abgetragen und dieses kommt auch heute noch in schönen Bruchsteinmauern zum Vorschein.

Zum Vorschein kamen nach der Sprengung des Verstärkeramtes auch die schon erwähnten Fließen, die sich die Einwohner aneignen wollten, sich jedoch vergeblich mühten.

Auf der Suche nach dem Grund der Festigkeit der Fließen wie auch des Betons kann man mit eigener Erfahrung als Angehöriger des Spezialbauwesens der NVA der DDR (12.IBR "Peter Lamberz" Neiden bei Torgau) erörtern, daß bereits seit mindestens 1937 zum Bunkerbau Beton mit chemischen Zusätzen verwendet wurde, ebenso zum Kleben der Fließen.

Während für normale Bauten Beton der Klasse B10, B15 oder B25 verwendet wurde (Betonklassen Kraft Nm auf mm² auf Würfel), haben Stahlbetonbauten sowie Bunker die Klasse B35 oder B45. B35 wurde für die Bunker der NVA u.a. später für atombombensichere Bunker B45 verwendet (Güteklassen B450).

Ich selbst hatte Fundamente von Bunkern und Gebäuden des Deutschen Reiches zu entfernen, was uns nur teilweise gelang, so fest war der inzwischen blau angelaufende Beton, so viel fester war er gegen den von uns verwendeten B35.

Während Bunker im Ersten Weltkrieg noch mit Bausteinen gebaut wurden, stellte die monolithische Bauweise des Stahlbetonbaus den besten Schutz gegen Bomben dar, wie sie im Westwall und im Atlantikwall bereits erfolgreich praktiziert wurde. (Ausnahmen sind die sog. "Elefantenzähne", als Tunnel aufgestellte elefantenzahnähnliche Fertigbetonteile, die variable Bauten schnell möglich machten, siehe Foto rechts, als Typschutzbauwerk USB bekannt.)

Nach bisherigen Ansichten wurde eine Skizze über das Verstärkeramt Lobenstein angefertigt (siehe rechts). Es ist inzwischen von einem einstöckigem Bunker auszugehen, da sich die Funktionen übersichtlich gestalteten. Allerdings könnten auch die technischen Anlagen und Versorgungsräume in verschiedenen Etagen getrennt gewesen sein. Von Dekontaminierungs- und größeren Giftgas-Filteranlagen war nicht auszugehen, da erst später im Kalten Krieg solche Gerätschaften notwendig waren. Gegen Giftgas wurde aus den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges heraus ein steter Luftüberdruck geschaffen, sodaß Gas nicht eindringen konnte. Der Bunker hatte einen Personenzugang und einen Materialschacht wegen der schweren technischen Geräte. Druckschleusen waren an allen Eingängen. Es war von einem Lastfall 1 (herkömmliche Bomben) auszugehen.

Die Bewachung, das Dienststellen-Chefzimmer, Fernvermittlungsraum und auch WC`s für Männer und Frauen gehörten dazu wie auch ein Küchen-, Ruhe- und Sanitätsbereich.

Die technische Abteilung zum Überleben und Arbeiten im Hermetisierungsfall waren in Strom-, Diesel und Zu-/Ablufträumen untergebracht. Interessant sind sicher in Zeiten von Bombenangriffen die Lebensmittel-, Ersatzteil- und Sänitätslager.

Übernommen wurden diese Überlegungen von einem Bw-Verstärkeramt. Bewacht wurden dort die Objekte von Soldaten der Luftwaffe. Dies war sicher auch im Post-Bunker Lobenstein sowie, wie Überlieferungen jetzt darstellten, auch am Wohnhaus der zivilen oder militärischen Bediensteten so.

Im Bundeswehr-Vermittlungsbunker waren Lebensmittel- und andere zum Überleben und Arbeiten wichtige Teile für 28 Tage eingelagert.

Diese Bundeswehrbunker waren meist bis 1995 besetzt und wurden dann wegen fehlenden Gründen und riesigen Kosten stillgelegt.

Noch im Kalten Krieg waren Eingangstreffer je nach Geschick des Bombers Zufall, gibt es heute bunkerbrechende Waffen, die gezielt mit Laser in die Eingänge gesteuert werden und erst tief im Boden explodieren. Ob das Verstärkeramt üblicherweise mit einer Erdschutzschicht versehen war oder nicht, ist noch nicht bekannt, diese hätte eine höheren Schutz gegen die damals verwendeten Bomben gewährt und bei 2-3m Erdhöhe faktisch keine größeren Schäden durch diese angerichtet.

Ob das Verstärkeramt bereits eine Druck-und Splitterprallwand im Eingangsbereich hatte oder nur Drucktüren (siehe Foto rechts), wird erst mit Zeichnungen von damals bekannt. Drucktüren waren teilweise mehrere Zentner schwere hermetisch abdichtende, gegen den Druck meist nach außen gewölbte Stahltüren mit einem oder mehreren von beiden Seiten zu bedienenden Schließhebeln.


Alles Inventar wurde durch die Russen demontiert, so auch die Drucktüren, jedenfalls sind mir keine Funde nach der Sprengung bekannt. Druck- oder Splitterwände waren rechtwinklig zum Eingang angeordnete Betonwände.

Ebenfalls aus der Erfahrung und meinen Kindheitskenntnissen waren die Wände etwa 50-80cm breit und mit dem damals üblichen Stahlbeton ausgeführt. Zuviel oder zuwenig Stahl in Betonwänden wirkt sich nachteilig aus. Es gab und gibt dazu genaue Berechnungen des Stahlanteils. Also nutzte es nichts, den Stahlanteil für Bombenschutzwände zu erhöhen. Bei Berlin gibt es heute noch mitten im Wald einen Betonkoloß, der von den Nazis mit betonbrechenden Waffen versuchsweise beschossen wurde.

Alles in allem war das Verstärkeramt Lobenstein "nur" ein Postinstrument und war nach telefontechnischen Gesichtspunkten nicht zur Verteidigung gedacht, so daß größere Dicken und 7 bis 8 unterirdische Geschosse in den Überlieferungen unrealistisch sind.
12. Ingenieurbauregiment "Peter Lamberz" Neiden bei Torgau
Schutzbauwerk Typ USB FB-75, geringe Schutzklasse E, mit den elefantenzahnähnlichen Bögen aus Fertigteilen, wie sie auch Ersatzgefechtsstand der 3. Armee der NVA in Zwickau-Mosel mehrfach eingesetzt wurden.
Skizze des Bunkers nach bisherigen Ansichten
zum Vergrößern hier klicken
Der eingeschossige Bunker Lehesten der FuTK-515 auf dem Wetzstein, angelegt von der NVA ab 1980, monolithisch, 31m lang ohne Garagen, als Beispiel eines Funkaufklärungs-oder Abhörbunkers.
Deutlich sind hier die Lüftungen, Eingänge und Notausgänge zu sehen. Danke an sperrgebiet.eu
5. Die Psychologie in Bunkerbauten
Stellen sie sich vor, sie sind in einem Keller, U-Boot oder Bunker und ihnen wird aus kriegsstrategischen Gründen oben ein paar Bomben auf die "Rübe" geworfen...
Viele Kriegsberichte stellen die Psychologie eines solchen Erlebnisses nur selten richtig und in aller menschenfeindlicher Härte dar. Vergleichbar sind solche Berichte von der Bombennacht in Dresden oder Hamburg oder z.B. im Film "Das Boot". Hier soll versucht werden, auf solche Umstände, wie sie auch im Lobensteiner Verstärkeramt Alltag waren, einzugehen. Denn das Verstärkeramt Lobenstein war kriegsstrategisch ein wichtiger wunder Punkt und wurde deshalb mit den bereits erwähnten Angriffen bombardiert. Im Alltag des Bunkerlebens war der Fall des "Bunkerkollers" groß. Solange man nach jeder Schicht (das Verstärkeramt war sicher rund um die Uhr besetzt) nach Hause gehen konnte, war die Arbeit wie unter Tage. Im Hermetisierungsfall ("Schotten dicht") waren jedoch einige Nerven nötig. Die Enge, kein Tageslicht, keine frische Luft und immer die selben Menschen um sich, waren mehr wie anstrengend.

Bei solchen psychologischen Arbeiten und Einsätzen wurde das Methamphetamin Pervitin ausgegeben. Pervitin, heute u.a. als Crystal bekannt, 1938 auf den Markt gekommen und im Zweiten Weltkrieg massenhaft eingesetzt, insbesondere während der so genannten Blitzkriege gegen Polen und Frankreich 1939/40, fand millionenfache Verwendung. Unter den Spitznamen Panzerschokolade, Stuka-Tabletten und Hermann-Göring-Pillen diente das Mittel zur Dämpfung des Angstgefühls sowie zur Steigerung der Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit bei Soldaten, Fahrzeugführern und Piloten. In der Wehrmacht wurde es zu wichtigen oder eintönigen Einsätzen verwendet und kostenlos verteilt, aber es führte auch zu berauschenden Zuständen, die die Wehrmachtsführung ab 1942 deswegen unter Druck setzte, diese Droge nur noch mit Rezept auszugeben. Nicht zuletzt konnten viele Kriegstätigkeiten im untergehenden Reich nur noch unter Einnahme von Pervitin ausgeführt werden, was bei vielen Kriegern, auch nach Kriegsende, zu Abhängigkeit führte.
Über den Reichsführer wird berichtet, daß er, besonders nach dem Stauffenberg-Attentat vom 20.Juli 1944 abhängig war, was den ansonsten quälenden Auftritt mit dem italienischen Staatschef Benito Mussolini noch am Nachmittag des Attentats und später das Zittern seiner Hand erklären würde. Jedoch gab es noch Beeinträchtigungen durch die diagnostizierte Krankeit Schüttellähmung (Parkinsonsche Krankheit).

Wenn es heute möglich ist, viele der dankendswert erhaltenen Bunker zu besichtigen, so sollte man sich dort immer vor Augen halten, daß es kein natürliches Licht, keine frische Luft, keine Sonne und kein Blumengrün in Bunkern gab und gibt. Abgeschottet über mehrere Wochen darin zu Überlebenszwecken zu verbringen, ist eine Horrorvorstellung, der sich selbst DDR-Staatschef Honnecker nicht entziehen konnte und "seinen" Bunker nicht ein einziges Mal betrat...

Auch bei der NVA wurde vermutet, daß zu dauernden Einsätzen solcherlei Medikamente bereit lagen, um einen Bunkerkoller zu entgehen..
Drucktür eines Bunkers in Torgau-Neiden- hier zu DDR-Zeiten angelegt und nach der Wende als Abfalldepot missbraucht
6. Das Ende des Verstärkeramtes

Als die Amerikaner aus dem Westen kamen, wurde das Verstärkeramt bereits von einer Vorhut gesucht. Mit Ende des Kriegs übernahmen erst die Amerikaner und später die Russen, die SMA (Sowjetische Militäradministration), das Verstärkeramt. Wie lange es bis zum Eintreffen der Amerikaner von Wehrmachtsangehörigen geschützt wurde, ist sicher eine Frage von Stunden gewesen. Die Zivilangehörigen hatten nicht so viel zu befürchten, arbeiteten sicher wegen der Notwendigkeit von Telefonverbindungen bis zum Kriegsende und wurden von den Amerikanern darüber hinaus wegen der Bedienung der technischen Geräte gebraucht. Nach Wolfgang Börners Angabe hatten die Amerikaner das Verstärkeramt auch noch besetzt, als die Russen bereits Thüringen "bekamen" und besetzten. Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt u.a. wurde ja gegen Westberlin "eingetauscht".

Am 26. August 1946 wurde das Verstärkeramt Lobenstein von der Besatzungsbehörde SMA gesprengt. Dieses Gebäude wurde vorher von den Russen demontiert. Über die
Demontagen berichtet der Demontagebericht ab Seite 218.

Hierin ist davon auszugehen, daß versucht wurde, das gesamte Inventar, die Telefontechnik, Nebenanlagen, Türen usw. und die hochwertigen Telefonkabel, insbesondere die Hochfrequenzkabel nach München und Berlin auszugraben. Dazu bediente man sich der hiesigen Bevölkerung, insbesondere Geschäftsleuten und Durchziehenden. Mitglieder der NSDAP wurden wegen Sabotageakten gemieden. Es gab Proteste durch die Bürgermeister wegen dem teilweise vollständigen Abbau der Telefon- wie auch der Eisenbahninfrastruktur.
Für die teilweise rekrutierten Arbeiter gab es Lebensmittelkarten zusätzlich. Aus dem Bericht geht auch hervor, daß zigtausende Kabeltrommeln hergestellt werden mussten, um die ausgegrabenen Kabel transportieren zu können. Auch die Androhung von Erschießungen steht in dem Bericht, ob allerdings dies für Lobenstein zutraf, ist nicht zu rekonstruieren.

Und es seien einige erfolglose Versuche der Sprengung unternommen worden, weil das Gebäude "derart fest und auch tief in die Erde gebaut war". Erst als eine "geballte Ladung" angebracht war (Zitat Wolfgang Börner), war das Relikt aus dem Deutschen Reich vernichtet.

Jedoch stellte sich heraus, dass Lobensteiner Jungen diese Bauruine noch betreten und "erkunden" konnten, was durchaus einen jugendlichen Reiz, aber auch eine Gefahr in sich barg.

So ist überliefert, daß die Ruine in den 50er Jahren noch einmal erneut gesprengt und danach mit Abfällen verschüttet wurde. In der Folge war das Areal ein Schuttplatz für Müll für die Lobensteiner Bürger, für die Schuhfabrik Lobenstein und für Moor aus dem Moorbad im Sanatorium Lobenstein Abkippstelle. Aus Überleferungen wird berichtet. daß das verbrauchte Moor abgekippt wurde und sofort versickerte. Dies beweist das Vorkommen von Hohlräumen. Der Müllplatz war wegen glühender Kohleasche und den Lederresten ständig glühend, qualmend und schwelend, so daß die Feuerwehr öfter eingreifen und löschen musste. Später war ein Bau eines Eigenheimes geplant und als die Planierraupe als Erdberäumer mehrere Dezimeter in einen Hohlraum verschwand, wurde das Vorhaben abgebrochen. Nur der Bau von Freizeithäusern (Datschen) war nach Jahrzehnten möglich. Und diese stehen heute noch.

Und letztlich war der "Postbau" oder das Verstärkeramt Lobenstein nur noch Geschichte und wie heißt es: "Aus dem Auge - aus dem Sinn."

Und diese Geschichte Lobensteins, Dank den Autoren Walter und Wolfgang Börner und dem Nachkriegsbericht "Lobenstein in den Jahren 1945 bis 1949", möchte für die Nachwelt aufhoben werden.

Stand vom 21.03.2013
Foto eines unterirdischen automatischen Drehwählergestelles, d.h. hier wurden durch die sog. Drehwähler Verbindungen hergestellt. Vor 1945 waren die Verbindungen jedoch meist handvermittelt, d.h. es wurde ein Ruf angenommen und dann auf eine freie Leitung manuell "aufgestöpselt". Eine freie Leitung wurde dem Postbediensteten per Leuchte/Klappe angezeigt. So konnte es geschehen, daß eine Verbindung von Berlin nach München einmal über Lobenstein-Kronach und einmal über Plauen- Hof hergestellt wurde.


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Nach dem Bericht eines Anwohners haben sich viele Spekulationen erledigt: Der Bunker war nur eingeschossig, hatte einen Materialschacht, vier Lichtschächte mit Glasziegeln gemauert in der Senkrechten und keinen Personeneingang. Der Zugang zum Bunker wurde durch das "Wohnhaus" gewährleistet und es gab Notausstiege und Lüftungsschächte. Der Tagesbetrieb wurde von zivilen Postmitarbeitern sowie Wehrmachtsangehörigen im "Wohnhaus" in der oberen Etage mit der Handvermittlung von Telefongesprächen durchgeführt, in der unteren Etage war die Wachmannschaft untergebracht. Im Bunker befanden sich das Notstromaggregat, ein Schiffsdiesel, die Batterien zum Telefonieren und Verstärken der Signale und eben auch die berühmten Fliesen im gesamten Bunker sowie im größten Teil die Verstärkeranlagen. Der Technikbetrieb wurde von zwei/drei Personen im Schichtdienst aufrechterhalten. Über den Abbau der Anlagen durch die Russen gab es haarsträubende Geschichten, aber dazu später... Stand vom 17.10.2016